Einführung in die Zen Meditation
Zen, bzw. die Praxis der Zen Meditation, wie wir sie heute kennen, entstand zwar erst im 6. und 7. Jahrhundert n. Chr. in China, doch im Kern geht sie auf Shakymuni Buddha zurück.
Das Wort Zen hat eine lange Entwicklung hinter sich.
Es ist eine Abkürzung des japanischen Wortes „Zenna“, das sich aus dem chinesischen Chan entwickelt hat. Dieses wiederum ist eine Lesart des Sanskrit-Wortes Dhyana, was soviel wie „Sammlung des Geistes“ bedeutet und in eine innere Stille führt, in der alle dualistischen Unterscheidungen aufgehoben sind. Zen Meditation zielt letztendlich auf die Erleuchtungserfahrung, wie sie Shakyamuni Buddha im 5. Jahrhundert vor Christus zuteil wurde.
Zen ist keine Religion
Die Zen Meditation ist keiner Religion zuzuordnen, sie ist vielmehr die Verwirklichung einer nicht zweigeteilten Wirklichkeit, wie sie den Weisen und Religionsstiftern aller Zeiten widerfahren ist.
Sie ist vielleicht der steilste aller Wege nach Innen. Er gleicht einem Hineinfallen in das immer Präsente und alles Seiende.
Die Zen Meditation ist ihrem Ursprung nach überkonfessionell und die Quelle aller Religionen. Sie alle haben sie unter verschiedenen Namen auf die eine oder andere Art integriert (z.B. im Christentum als Kontemplation). Daher gibt es keine Lehre über Zen, auch keine buddhistische.
Jede Einfärbung kann nur eine individuelle Einfärbung sein, wie z.B. „christliche Zen Meditation“.
Man könnte die sie auch als eine Weisheits-Schule des Mahayana-Buddhismus bezeichnen, die sich in China aus der Begegnung des indischen Weisen Bodhidharma und dem Taoismus entwickelt hat.
Obwohl die Zen-Meditation zwar eng mit der buddhistischen Religion verbunden ist, transzendiert sie diese und alle anderen Religion. Jeder wirkliche Weg nach Innen, sei es Raja-Yoga, Patanjali, Vipassana, Sufismus oder Kontemplation, führt über die Konfession hinaus.
Jesus war nicht katholisch und Buddha war kein Buddhist! Religionen können nur Zeigefinger sein, die auf das Wesentliche zeigen. Sie sollten Wege in die Erfahrung der Wirklichkeit sein.
Zen Meditation kann dabei eine wichtige Rolle spielen, weil sie ihrem Wesen nach transkonfessionell ist. Daher gibt es weder christliche noch buddhistische Zen-Meister und auch kein christliches oder buddhistisches Zen.
So gesehen ist Zen keiner Religion zuordnen, sondern ein Weg, der durch die Praxis zur Selbstwesensschau führen soll. Shakyamuni Buddha hatte nie die Absicht, eine Religion zu gründen.
Ganz im Gegenteil: Er verwies immer wieder auf die Nutzlosigkeit religiöser und ritueller Übungen.
Nur dieses „reine“ Zen hat im Westen eine Chance.
Sein Wesen wird sich nie verfälschen lassen. „Das Dharma braucht keine Verteidiger“ lautet ein Zen-Wort.
Meister Yuansou sagt deshalb mit Recht: „Es gibt keine Lehre für dich, um daran zu kauen oder sich darüber zu hocken. Wenn du nicht an dich selbst glaubst, nimmst du dein Bündel und machst die Runde vor anderer Leute Häuser, nach Zen und Tao zu suchen.
Du suchst nach Mysterien, nach Wundern, nach Buddhas, nach Zen-Meistern und Lehrern. Du meinst, das sei Suchen nach dem Höchsten und du machst es zu deiner Religion, aber das gleicht einem Rennen nach Osten, um etwas zu bekommen, was im Westen liegt.“
Die Praxis der Zen-Meditation
Zeitpunkt
Der günstigste Zeitpunkt für das regelmäßige Sitzen (Zazen) ist am Morgen, möglichst noch vor dem Frühstück, weil der Geist frisch ist und noch nicht mit den Eindrücken des Tages belastet ist. Mit einem vollen Bauch wird es schwierig, zu sitzen.
Ort
Man sollte sich einen ruhigen Ort wählen, denn anfangs stören Geräusche am meisten. Mit fortschreitender Praxis ändert sich dieses jedoch und man wird jedes Geräusch als hilfreich empfinden, weil es einen wach hält.
Kleidung
Die Kleidung während der Zen Meditation sollte bequem sein. Eine weiche Unterlage ist sehr empfehlenswert.
Sitzen
Während des Sitzens ist der Oberkörper aufrecht und doch in den Schultern entspannt. Das ist am Anfang nicht einfach. Die Zen Meditation kann auf einem Meditation-Kissen oder –bänkchen praktiziert werden. Wer Probleme mit den Knien hat oder andere gesundheitliche Probleme, kann natürlich auch auf einem Stuhl sitzen. Wichtig dabei ist, sich nicht anzulehnen, sondern aufrecht zu sitzen und die Füße flach nebeneinander auf den Boden zu stellen. Keinesfalls sollten die Beine übereinander geschlagen werden.
Atmung
Die Atmung während der Zen Meditation geschieht durch die Nase.
Es gibt keine Atem-Techniken! Der Atem sollte natürlich und unverkrampft sein, so flach oder so tief wie der Körper es im Augenblick will. Er hat seine eigene Weisheit. Auf keinen Fall sollte der Atem manipuliert werden, doch sollte er in jedem Fall weich und unhörbar geschehen. Der Geist ist auf dieses Spüren gerichtet, ohne bildliche Vorstellungen oder Assoziationen. Auch wenn wir immer wieder von dazwischen tretenden Gedanken abgelenkt werden, ist es wichtig, sich deshalb keine Vorwürfe zu machen, sondern gelassen immer wieder zum Atem zurückzukehren.
Handhaltung
Die Handhaltung während der Zen Meditation ist so, dass die linke Hand schalenförmig in der rechten ruht, und die Daumenspitzen sich dabei leicht berühren.
Augen
Auch das Gesicht sollte entspannt sein, von den Wangen bis zu den Ohren. Die Blickrichtung der Augen geht entspannt mit „leerem Blick“ schräg nach unten, etwa im 45-Grad-Winkel. Doch sollte man daraus keine Religion machen. Manchmal ist es besser, die Augen während der Zen Meditation einfach zu schließen.
Die Haltung des Geistes während der Zen-Meditation
Die äußere Haltung des Körpers und die innere Haltung des Geistes sollten sich ergänzen, d.h. Körper und Geist sollten entspannt sein. Eine heitere Gelassenheit des Geistes herbeizuführen ist nicht einfach und erst nach vielen Jahren möglich, denn wir haben es uns angewöhnt, immer etwas erreichen zu wollen. Wir sitzen, um….
Gedanken
Das Vermeiden-Wollen von Gedanken ist in der Zen Meditation vielleicht der größte Irrtum und wir vergeuden viel Zeit damit, in diesen Zustand zu kommen. Was uns dabei im Weg steht, ist unser absichtsvolles Ich-Tun. Zen Meditation jedoch ist im Wesentlichen ein zwangloses und gelöstes Verharren im Augenblick, denn nur da findet Veränderung statt.
Gedanken lenken zwar ab, sind aber nicht zu vermeiden. Zen Meditation ist keine Gedankenabtreibung. Vielmehr sollten wir Gedanken immer wieder erkennen als das, was sie sind, einfach nur Gedanken, die kommen und gehen, ihnen aber keine besondere Bedeutung beimessen. Zugegeben, das ist nicht einfach, weil wir uns immer wieder in diese Gedankenspiele hineinziehen lassen, doch mit der Zeit werden sie wie Wolken am Himmel, die einfach vorüberziehen, ohne uns zu stören und über die wir sogar lächeln können. „Ein Weiser vermeidet nicht eitle Gedanken“ lesen wir in einem Sutra. Um es modern auszudrücken: Im Hintergrund arbeitet die Festplatte, doch im Vordergrund steht der gegenwärtige Augenblick.
Gedanken sind da, aber sie stören nicht mehr. Sie sind wir Kino, von dem wir uns nicht mehr faszinieren lassen und mit dem wir uns nicht mehr identifizieren. Ein gemachtes gedankenleeres „Vor-sich-hin-Starren ist eine große Falle im Zen und wird in der Zen Meditation als „totes“ Zen beschrieben.