Erfahrungsbericht

Als sechstes von sechzehn Kindern geboren wurde ich streng katholisch erzogen. Mein Onkel, ein Mörder, brachte seine Frau um. Meine älteste Schwester, Mutter von sechs Kindern, sprang von einem Felsen in den Tod. Zwei Neffen begangen Selbstmord.

Meine Tochter verstarb mit dreieinhalb Jahren. Vor drei Wochen beerdigten wir das Söhnchen meiner Nichte. Das Bübchen hatte keine Nieren und konnte nur zwanzig Minuten leben.

Schmerz - Schmerz - Schmerz! Als ich das Sesshin bei Wolfgang besuchte, durfte ich erfahren, dass der Schmerz noch da ist, aber die Bitterkeit und der Hass fehlt. In den vielen Sitzeinheiten draußen in der Natur geschah es, dass ich aufgehört habe, gegen den Schmerz anzukämpfen. Ich kann ihn jetzt zulassen, er gehört zu meinem Leben und darf sein. Der Schmerz hat sich in einen schmerzlosen Schmerz gewandelt. Er ist noch da, aber er tut nicht mehr weh. Ich bin so dankbar, dass ich das erfahren durfte. Die Natur, die Wolfgang so intensiv in den Vordergrund stellt, ist wirklich ein großer Lehrer. Ich durfte auch die vielen Freiheiten während dieses Sesshins genießen. Das strenge traditionelle Zen - sitzen, sitzen, sitzen - ist nichts für mich. So kann ich auch in meinem hohen Alter diesen Weg ohne körperliche Schmerzen gehen.

Maria Kirchental, April 2009