Eindrücke

Bevor ich dieses Sesshin gemacht habe, habe ich noch nie richtig etwas von Zen gehört. Mein Leben war gekennzeichnet durch Krisen, eine folgte auf die andere und positive Momente waren äußerst selten. Oft habe ich an meinem Leben gezweifelt,

immer habe ich mir an allem die Schuld gegeben, am meisten aber habe ich mich selbst gehasst. Mein inneres Gleichgewicht war vollkommen gestört, ich habe mich immer mehr verloren. Ich musste etwas unternehmen und so bin ich zu diesem Kurs gekommen. Ich habe absolut nicht gewusst, was mich erwarten wird, ich bin einfach ins kalte Wasser gesprungen und es war das Beste, das ich machen konnte.

Immer wurde ich von einer gewissen Sehnsucht getrieben, nur wusste ich nie, wonach ich mich eigentlich sehne. Jetzt glaube ich, dass es die Sehnsucht nach Liebe und Freiheit war.

Die Abwechslungen von Stille und Gesprächen, eine Gemeinschaft, die einen fängt, und die Natur haben mich selbst wieder mehr ins innere Lot gebracht.

Je mehr man sich öffnet, desto mehr fallen einem die kleinen Dinge im Leben auf. Man kann noch so oft auf dem gleichen Weg spazieren gehen, er ist doch nie der gleiche. Immer kann man Neues entdecken, eine neue Blume, die Tiere, wie sie eifrig ihrer Arbeit nachgehen. Wenn man sich dem hingibt, erfährt man die Reinheit der Natur, man erkennt das Ganze im Kleinen, man findet Ruhe. Man kann sich ganz auf den Augenblick konzentrieren, ihn in sich aufnehmen und genießen und tief in sich eindringen lassen. In einem Augenblick zählt nur die Gegenwart, das Hier und Jetzt. Vergangenheit und Zukunft sind unwichtig, nur das tiefe Eins-Sein mit dem Moment, mit sich und der Welt zählt.

Im alltäglichen Leben war ich immer darauf fixiert, den Ansprüchen und Pflichten gerecht zu werden, anderen gerecht werden zu wollen, weshalb ich mich immer mehr verloren habe. In dieser Woche habe ich erfahren, dass das Wesentliche die Liebe ist, die Liebe zu sich selbst und zu allen anderen, die Liebe für die Welt. Ich habe erfahren, dass alles, so schlimm oder belastend es auch ist, doch seinen Sinn hat. Man darf sich selbst nicht leugnen, man muss sich akzeptieren, seine Gedanken und Gefühle, man muss sich lieben. Wie auch immer es ist, in diesem Moment ist es richtig. Eine schlechte Stimmung ist nichts Negatives, es ist richtig und darf sein, so lange man sich nicht hinein steigert, sondern Beobachter bleibt.
Am wichtigsten aber war die Erfahrung, dass mich andere lieben, dass ich nicht alleine bin, niemals alleine bin. Denn auch im Schweigen wächst die Liebe der Gemeinschaft. Es war unglaublich, wie sehr einem Menschen ans Herz wachsen, auch wenn man nicht viel miteinander spricht, es war unglaublich zu erfahren, dass andere einem immer zur Seite stehen.

Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich das Gefühl, wirklich verstanden zu werden, so akzeptiert zu werden, wie ich bin, ohne dass meine Probleme wie ein Damoklesschwert über mir schwebten und die Konzentration darauf. Irgendwo hatten doch alle ihr Päckchen mit sich rumzutragen und das Vertrauen ineinander war unglaublich.

Diese Woche hat mich auf einen neuen Weg geführt, einen Weg, der mich, uns alle, zutiefst berührt hat. Es ist ein Weg der Befreiung, ein Weg der Selbstfindung, ein Weg der allumfassenden Liebe und er ist so wunderbar. Meine Erlebnisse und Erfahrungen waren so ergreifend, dass ich sie größtenteils nicht einmal in Worte fassen kann, nichts könnte ihre Mächtigkeit auch nur annähernd beschreiben.

Ich kann nur jeden dazu ermutigen, den Schritt zu wagen, sich auf diesen Weg zu begeben, Zen selbst zu erfahren, zu erleben und leben zu lernen.

April 2009, Harpfetsham